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„Vom Saulus zum Paulus – ein spannender Investment-Case“

Mit über 20 Jahren Erfahrung im Investment Management und Stationen als Portfoliomanagerin bei Amundi, Gemway Assets und Fortis Investments kennt sich Nina Lagron, Head of Large Cap Equities La Française AM, sowohl auf den entwickelten Märkten als auch in Schwellenländern gut aus. Der Problematik des Klimawandels stellt sie sich mit ihrem globalen ESG-Aktienfonds. Dabei stehen die Wirkung des Investments und die Anreizsetzung an Unternehmen im Vordergrund, wie IPE D.A.CH Chefredakteur Frank Schnattinger im Gespräch erfuhr.

Nina Lagron

IPE D.A.CH: Frau Lagron, Sie haben gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen, sogenannte SRIs, für sich entdeckt und sind damit recht erfolgreich. Welche Herausforderungen sehen Sie für Investoren?
Lagron: Nachhaltiges Investieren und Dekarbonisierung haben große Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Das Klima, der Kohlenstoff und die Kapitalanleger sind eine Kombination, die man auch als Vermögensverwalter nicht unterschätzen sollte. Die EU-Kommission hält institutionelle Investoren ausdrücklich dazu an, Nachhaltigkeitsaspekte in die Entscheidungsprozesse ihrer Investitionen einzubeziehen, und hat sie zusätzlich zu Transparenz verpflichtet, wie diese Aspekte in der Anlage berücksichtigt werden.

IPE D.A.CH: Wie unterscheidet sich ihr Investmentstil von üblichen ESG- oder Nachhaltigkeitsfonds?
Lagron: Der Klimawandel wirkt bereits heute in vielen Branchen als disruptive Kraft. Ein spannender Investment-Case sind für uns die Unternehmen, die das Potenzial und den Willen haben, sich vom Saulus zum Paulus zu transferieren. Wir investieren mit unserem Fonds also ganz bewusst branchenübergreifend in Global Player, die heute noch zu den größten CO₂-Verschmutzern gehören. Allerdings nur in jene, die zielstrebig eine klare Ausstiegsstrategie Richtung Null-Emissionen verfolgen – die sogenannten „Transitioning Companies“. Zum einen ist hier der Einfluss auf den CO₂-Ausstoß am größten. Zum anderen stehen die Chancen gut, dass diese Unternehmen zu den Gewinnern von morgen zählen. Schließlich könnten ihre Kosten im Hinblick auf eine kommende CO₂-Abgabe oder -Steuer niedriger sein. Außerdem kann so das wichtige Verbrauchervertrauen aufgebaut werden. Die Ergebnisse der Europawahlen und die Friday-for-Future-Bewegung zeigen, wie wichtig großen Teilen der Gesellschaft die Themen Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Klimaschutz schon heute sind. Das sind keine Renditekiller, sondern handfeste Wettbewerbsvorteile in einer sich grundlegend veränderten Weltwirtschaft. Im Fokus stehen auch die sogenannten „Enabler“. Das sind Unternehmen, die durch neue Technologien, Dienstleistungen und Produkte die großen Verschmutzer von heute in die Lage versetzen, ihren CO₂-Fußabdruck deutlich zu senken. Diese Unternehmen werden massiv von der Dekarbonisierung profitieren.

IPE D.A.CH: Wie sieht Ihr Investmentprozess aus?
Lagron: Wir sind vorrangig am Impact, also an der Wirkung unserer Investments interessiert. Theoretisch umfasst unser Investmentuniversum über 2.500 Aktienwerte. Dank unseres hauseigenen ESG-Filters schrumpft die Anzahl um etwa 500. Hier setzen wir dann mit der klassischen Finanzanalyse sowie mit einer speziellen Nachhaltigkeitsprüfung an. Letztere berücksichtigt die Auswirkungen eines Unternehmens auf die Umwelt sowie seinen CO₂-Ausstoß anhand von bestimmten Kriterien: Kohlenstoffintensität, Nutzung sauberer Energien, Emissionsausstoß oder Energieeffizienz, um nur ein paar zu nennen. Unser Fonds soll einen deutlich geringeren Fußabdruck als eine vergleichbare Benchmark erreichen und gleichzeitig sein Risiko-Rendite-Profil stabil halten. Dieser Prozess führt zu einer Umverteilung von Investitionskapital in Unternehmen, die Lösungen für eine kohlenstoffarme Wirtschaft anbieten (z. B. erneuerbare Energien), die sich kohlenstoffarm (z. B. Elektrofahrzeuge) umstellen oder Unternehmen, die anderen Unternehmen ihren Übergangsprozess ermöglichen (z. B. Batteriezellenhersteller). Unternehmen, die im Karbonzeitalter verharren, werden mit höheren Kapitalkosten sowie Ausgaben konfrontiert, sobald ein Weltmarktpreis für CO₂-Emissionen entsteht. Grundsätzlich werden sie zu weniger attraktiven Anlagemöglichkeiten gegenüber den Unternehmen, die die Dekarbonisierung ihrer Produktion und Lieferkette aktiv angehen und die kommenden Veränderungen als Chance begreifen.

IPE D.A.CH: Wie zeigt sich die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes konkret im Fonds?
Lagron: Wir können sie sehr klar messen: zum Beispiel im CO₂-Ausstoß pro investierte Millionen Euro. Das ist eine sehr spannende und plastische Kenngröße, zeigt sie doch sehr eindringlich, dass auch ein Vermögen einen CO₂-Fußabdruck hat. So hat der MSCI World CO₂-Emissionen pro investierter 1 Mio. Euro von 124 Tonnen. Unser Fonds kommt zum 30. August 2019 auf lediglich 31 Tonnen.

IPE D.A.CH: Allerdings ist es auffällig, dass Sie relativ wenige Unternehmen aus dem Bereich „Saubere Energien“ im Portfolio haben. Warum?
Lagron: Sicherlich leisten diese Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum Thema Umweltschutz und Dekarbonisierung. Auch wir haben einen kleinen Anteil dieser Lösungsanbieter im Portfolio. Hier sparen wir nochmals 53 Tonnen CO₂ pro investierter Million ein, die üblicherweise durch fossile Energieträger emittiert würden. Sie senken also auch den CO₂-Fußabdruck des Portfolios und die Diversifizierung profitiert davon. Andererseits unterstützen sie nur wenig unseren eingangs erwähnten Impact-Ansatz. Schließlich sind diese Unternehmen schon da, wo die anderen noch hinmöchten. Ein weiterer Grund ist die finanzielle Performance. Oftmals sind die Unternehmen nicht sehr groß und durchaus volatil. Dies wiederum passt nicht zum Risiko-Rendite-Profil unserer Anlagestrategie.

IPE D.A.CH: Was passt denn zum Profil? Haben Sie ein Beispiel?
Lagron: Für Verwunderung sorgt manches Mal eine unserer Kernpositionen: Volkswagen. Wir glauben zum Beispiel, dass potenzielle Strafzahlungen aus der Dieselaffäre im Aktienkurs schon eingepreist sind. Somit kann VW jetzt in die Zukunft blicken – und wir mit dem Unternehmen. Wir sind davon überzeugt, dass der Vorstand es mit dem Schwenk zur Elektromobilität ernst meint. Sowas machen wir unter anderem an den langfristig abgeschlossenen Verträgen mit Batterieherstellern fest. VW verändert sich aus innen heraus stark, ist im Moment aber noch ein klassischer Fall von Contrarian.

IPE D.A.CH: Wie beeinflusst die Investition in Ihren Fonds den Kampf gegen den Klimawandel?
Lagron: Zum einen trägt unser Engagement in Brancheninitiativen wie der ClimateAction100+, der PRI oder der UNEP FI dazu bei, die Dynamik im Kampf gegen den Klimawandel zu erhöhen, indem wir die nationale und internationale politische Debatte beeinflussen. Der wahrscheinlich größte Einfluss ist der Einfluss unserer Investitionsentscheidungen auf die Kapitalkosten der Unternehmen. Je mehr Kapital durch Investitionen in SRI-Fonds allokiert wird, desto schneller werden Unternehmen handeln. Als aktiver Investor führen wir jedes Jahr mehrere hundert Management-Meetings durch, die sich immer auf die Klimastrategie des Unternehmens konzentrieren. Die Treffen dienen einem doppelten Zweck: Erstens helfen sie, die notwendigen Informationen für Investitionsentscheidungen zu sammeln, und zweitens ermöglichen sie uns ein konstruktives Feedback, sollten wir der Meinung sein, dass ein Unternehmen nicht ehrgeizig genug ist, um unsere Investitionsstandards für die Fonds zu erfüllen. Ziele zur CO₂-Reduktion, Investitionen in Anpassung und Minderung, Managementanreize und Verantwortung auf Vorstandsebene gehören ebenfalls zu den wichtigen Themen. Denn ich bin überzeugt, dass gute Unternehmensführung, ökologische Ziele und Anlageerfolg zusammengehören. Das hat gut geklappt, wie die Performance des SRI-Fonds zeigt – wir haben seit Anfang des Jahres bis Anfang November eine Netto-Performance von rund 20% erreicht.

IPE D.A.CH: Vielen Dank für das Gespräch.